Jeder hat diese eine Schublade. Die mit den Kabeln, die man "vielleicht noch mal braucht". Ich habe einen ganzen Keller.

Irgendwann zwischen MTB-Tour, Gleitschirmkurs und dem dritten Umbauversuch im Bus habe ich aufgehört zu zählen, wie viel Zeug ich gekauft habe, das heute verstaubt. Nicht weil ich leichtsinnig bin — sondern weil die Versprechen gut klangen, die Reviews überzeugend waren, und der "Jetzt kaufen"-Button immer nur einen Klick entfernt ist.

Das hier ist kein Vorwurf an dich. Das ist meine Beichte. Und vielleicht sparst du dir damit ein paar hundert Euro.


1. Der Multitools-Overkill

Ich habe drei Multitools. Drei. Leatherman, ein günstiges No-Name und noch irgendwas das ich auf einer Messe mitgenommen habe. Benutze ich? Keines davon. Was wirklich im Rucksack landet: ein einfaches Taschenmesser und ein Miniwerkzeug fürs Fahrrad.

Was ich heute kaufen würde: Einmal ein ordentliches Werkzeug für den Einsatzzweck — nicht das Schweizer Alleskönner-Ding das am Ende nichts wirklich gut kann.


2. Der "perfekte" Rucksack (Nummer vier)

Ich habe Rucksäcke für Hike & Fly. Für Tagestouren. Für den Bus. Für die Kamera. Irgendwo zwischen Rucksack zwei und drei habe ich den Überblick verloren was ich eigentlich suche. Rucksack vier war teuer. Liegt im Keller.

Das Problem war nie der Rucksack. Das Problem war, dass ich nicht wusste was ich wirklich brauche — und statt nachzudenken einfach wieder bestellt habe.

Was ich heute kaufen würde: Erst drei Wochen mit einem zu kleinen Rucksack unterwegs sein. Dann weiß man genau was fehlt.


3. Die Actioncam die ich "brauche"

GoPro. Liegt in der Schublade. Akku leer, wahrscheinlich auch schon veraltet. Das Problem mit Actioncams: Man muss sie auch wirklich benutzen wollen. Ich filme nicht gern beim Sport. Das weiß ich jetzt.

Wer filmt: Top-Gerät, keine Frage. Wer "vielleicht mal" filmt: Lass es.

Was ich heute kaufen würde: Nichts, bis ich dreimal aktiv gedacht habe "schade dass ich jetzt keine Kamera dabei habe."


4. Das Gadget aus der Facebook-Ad

Du kennst das. 2 Uhr nachts, Handy in der Hand, irgendein cleveres Outdoor-Gadget das ein Problem löst das du eigentlich gar nicht hast. "Nur €34,99, versandkostenfrei, 30 Tage Rückgabe."

Meins war ein aufblasbares Solar-Laternending. Hab ich einmal benutzt. War ok. Hätte eine €8-Stirnlampe auch erledigt.

Was ich heute kaufen würde: 24 Stunden warten. Kaufimpuls aus der Ad überlebt das selten.


5. "Ultraleicht"-Versprechen

Ultraleicht ist eine Philosophie — und eine teure. Ich habe angefangen einzelne schwere Sachen gegen leichtere zu tauschen, ohne das System zu verstehen. Ergebnis: Ich habe mehr Geld ausgegeben und kaum Gewicht gespart, weil der Rest des Rucksacks gleich geblieben ist.

Ultraleicht funktioniert nur konsequent. Halbherzig ist es teuer und bringt nichts.

Was ich heute kaufen würde: Erst das Gesamtgewicht messen. Dann die drei schwersten Posten anschauen. Nicht random Einzelteile tauschen.


Fazit

Ich bereue keinen dieser Käufe wirklich — ich habe dabei was gelernt. Aber wenn du dir das Lehrgeld sparen willst: Frag dich vor jedem Kauf nicht "Will ich das?" sondern "Wann genau benutze ich das, und wie oft?"

Die Antwort ist meistens ehrlicher als die Produktbeschreibung.


Mehr davon? Ich kaufe regelmäßig Zeug — manchmal aus Überzeugung, manchmal aus Schwäche. Was wirklich im Keller landet und was nicht, schreibe ich hier auf.